Reality is Dead

︎ AUGMENTED REALITY
︎ DESIGNTHEORIE

Das Projekt »Reality is Dead« ist im Rahmen meiner mündlichen Diplomprüfung entstanden. 


»Die Digitalisierung löste die jahrtausendealte Einheit von physischem Schriftträger und Text auf. Statt dessen gibt es jetzt Daten, die, im binären Code verfasst, in höchstem Maße fluid sind und zu einer neuen elektronischen Schrift werden können.

Mit diesen technischen und medialen Veränderungen hat sich Schrift jedoch keineswegs erübrigt. Im Gegenteil: Gesamtgesellschaftlich kann nicht nur von einem iconic turn gesprochen werden, sondern auch ein Typographin turn festgestellt werden, denn: Schrift ist Kommunikation,
sie visualisiert Sprache und ist damit nach wie vor das Medium, mit dem Wissen und Gedanken kommuniziert werden.«


Zitat: P. Eisele und I. Naegele, Texte zur Typografie










Die Realität 2.0 ist eingetroffen, so munkelt man zumindest. Neue Technologien wie Virtual- (VR) oder Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) versprechen ungeahnte Möglichkeiten, neue Dimensionen, sowohl für Verbraucher, als auch für Designschaffende.

Eines ist klar: In Zukunft werden reale und künstliche Welten immer weiter mit einander verschmelzen, doch was bedeutet das für die Typografie?

Dieses Buch hat zwei Ebenen. Die erste, physische Ebene, besteht aus Zitaten, Texten, Gedanken und Bildern, die sich mit dem Thema der Typorgafie und Neue Medien und ihrem Einfluss auf unsere Gesellschaft beschäftigt. Die zweite Ebene ist durch ein portables Gerät (Smartphone, Ipad) erreichbar und offenbart visuelle und auditive Zusatzinformationen in Form von Animationen und Filmen. Neben der eigentlichen Thematik möchte ich mit diesem Buch auch auf den schnellen Alterungsprozess von digitalen Medien hinweisen. Denn so wie einst die Diskette für jeden zugänglich war und heute nicht mehr gelsen werden kann, überholen sich auch andere technische Formate immer wieder selbst. So ist es gut möglich, dass auch die Augmented Readlity Technik der App, die als Medium eingesetzt wird, um in die zweite Ebene des Buches zu gelangen, in Zukunft »Outdated« sein wird.

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Information in digitaler Gesalt ist also vergänglich bzw. begrenzt zugänglich und vielleicht dadurch sogar weniger langlebig als ein Buch.

Die intensive sinnliche Erfahrung bleibt in der physischen Welt der Körper und Objekte, obgleich digitale Medien eine Unterstützung dort sein können, wo der Mensch mit der Imitation von Zeit und Raum an seine Grenzen kommt.  ︎



Ein westentlicher Apekt, der mich dazu bewegt hat dieses Buch zu entwerfen war Augmented Reality. Dieses relativ neue, technische Medium schien immer mehr im Gespräch zu sein und ich fragte mich, was eine solche technische Entwicklung wohl für mich als Designerin bedeuten würde. Kaum hatte ich angefangen von Augmenten-Reality-Fenstern in Flugzeugen zu träumen, da fiel mir plötzlich auf: Wer macht sich eigentlich Gedanken darüber, ob dieser ganze Technikkram überhaupt sinnvoll ist?

In der Welt des Designs stehen Worte wie: User Experience, Designthinking und Human Centred Design gerade an oberster Stelle. Das Design gestaltet die persönlich-sinnliche Erfahrung des Konsumenten mit der Marke. Doch ist das Design wirklich so Menschen zentriert wie es vorgibt? Oder sind das alles nur wohl klingende Begriffe, die eigentlich nur dazu dienen, noch mehr über den Konsumenten und seine tiefsten, individuellen  Bedürfnisse herauszufinden, um ihn am Ende nur zum Kauf eines Produktes zu manipulieren? Dass die Investoren von diesen gewinnversprechenden Methoden begeistert sind, ist aus einer wirtschaftlichen Perspektive verständlich. Aber wer macht sich Gedanken über die ethischen und politischen Aspekte solcher Prozesse?

Die Schrift war schon immer das Kommunikationsmedium. Sie kann inspirieren, manipulieren, oder mit einer galanten Unauffälligkeit lange Texte transportieren. Und nun, da sie sich sogar anfängt zu bewegen und ihren neuen Raum auszuloten, öffnet sich ein weiteres neues Arbeitsfeld für den Designer. Aber - an irgendeiner Stelle im Prozess des Experimentierens und Verzerrens sollten wir es den alten Bauhäuslern gleich tun und uns selber wieder die Zeit zur Philosophie und zum Diskurs miteinander schenken.






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